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Manakha



Manakha, die Hauptstadt des Distriktes (die ihrerseits zur Provinz Sana’a gehört), liegt malerisch auf einem schmalen Rücken zwischen zwei hohen Bergmassiven. Der Ort war lange Zeit Stützpunkt der osmanischen Besatzungsarmee.

Manakha (andere Schreibweisen sind Menacha oder Menakha) wurde im 17. Jahrhundert in der Nähe einer kleinen jüdischen Siedlung gegründet. Große Bedeutung erlangt sie 1872, als die Osmanen über Al Hodaydah in Richtung Sana’a vorrücken und in Manakha einen wichtigen strategischen Punkt erkannten. Während der zweiten osmanischen Besatzungszeit (1872-1918) bauten sie daher die Stadt als Verwaltungszentrum und Garnisonsstadt aus. Viele Gebäude in der Stadt stammen aus dieser Zeit (Regierungsgebäude, Telegrafenamt, Zitadelle mit Getreidespeicher, Militärhospital), und ihr Baustil ist noch heute deutlich als osmanisch erkenntlich. Die Osmanen unterhielten auf den Hügeln südlich und nördlich der Stadt Befestigungsanlagen, mit denen sie die Verbindungsstraße vom Roten Meer ins Hochland kontrollierten. Diese Befestigungsanlagen zusammen mit der exponierten Lage Manakhas auf einem Bergsattel reichten völlig aus, um die Stadt auch während des langen Krieges der Imame gegen das Osmanische Reich zu schützen; eine Stadtmauer hat Manakha nie besessen.

Manakha war seit seiner Gründung bis kurz nach dem 2. Weltkrieg durchgehend von einer jüdischen Minderheit bewohnt, und die Auswanderung dieser Bevölkerungsgruppe 1948/49 in den neu gegründeten Staat Israel stellt einen tiefen Einschnitt in die Geschichte der Stadt dar. Der Weggang der Juden hinterließ so in vielen Berufen große Lücken, die so schnell nicht wieder geschlossen werden konnten. Dazu kamen in den Jahren des Exodus verschiedene Dürrejahre, so dass die Bedeutung von Manakha in den 1950er Jahren rasch sank. Während Manakha zur Zeit der osmanischen Besatzung 1893 um die 5.000 Einwohner hatte – ohne die Militärangehörigen dazu zu zählen – waren es Mitte der 1970er Jahre nur noch rund 3.000 Einwohner. Heute sind es rund 10.000.

Manakha ist der wichtigste Marktflecken im Harazgebirge. Neben dem täglichen stationären Markt wird in Manakha Sonntags ein Wochenmarkt abgehalten. Manakha wurde schon von alters her von den umliegenden Stämmen zu einer Art neutralen Zone erklärt, deren Schutz sie gemeinsam garantieren. Alle feindlichen Auseinandersetzungen haben an diesem Ort sowie auf dem Weg dorthin zu ruhen. Dadurch wird gewährleistet, dass Handel und Warenaustausch zwischen den Stämmen auch in kriegerischen Zeiten nicht völlig zum Erliegen kommen.





Von Sana’a kommend, verbreitert sich die Strasse in Manakha zu einem Platz von der Größe eines Fußballfeldes. Dieser Platz wird von der Bevölkerung „Al Matar“, der „Flughafen“ genannt. Tatsächlich sollen hier während des Bürgerkrieges in den 1960er Jahren ein oder zwei Mal ägyptische Hubschrauber gelandet sein. Der Platz dient als Park- bzw. Spielplatz und an Sonntagen als Marktplatz.

An der Stelle, an der sich die Hauptstraße wie eine Rampe vom „Flugplatz“ aus nach oben zieht, soll das Telegrafenamt gestanden haben, das von den Osmanen 1890 gebaut worden war. Ältere Einheimische behaupten aber, dass das dortige Gebäude, in dem heute zwei Geschäfte und die jemenitische Telecom untergebracht ist, erst zu Zeiten des Imams gebaut worden wäre, und der Imam es als Gästeresidenz benutzt hätte.

Weiter oben, wo die Straße eine starke Rechtskurve macht, steht das aus osmanischer Zeit stammende dreistöckige Regierungsgebäude, in dem heute noch der Distrikt-Gouverneur (Mudir al Mudiriyya) residiert. Schräg gegenüber dem Regierungsgebäude befindet sich ebenfalls in einem osmanischen Gebäude das Gericht. Das größte Gebäude aus osmanischer Zeit ist der Getreidespeicher, der über der Stadt thront. Er ist mit einer Mauer eingefasst und neben einer Zisterne befinden sich mehrere in den Boden eingelassene Vorratskammern. Das Getreide wurde dort unterirdisch eingelagert und die Kammern nach oben mit Erdreich verschlossen. Zu dem Gebäudekomplex des Getreidespeichers gehören auch Kasernen, die heute wie in osmanischer Zeit genutzt werden. Eine Besichtigung der Gebäude ist daher nur mit Erlaubnis möglich.

Ein weiteres bedeutendes osmanisches Bauwerk stellt das Lazarett dar, kenntlich an der herrlichen, breiten Außentreppe. Man kommt am Osmanischen Lazarett vorbei, wenn man nach Hutayb über Qahil oder Lakamat al Qadi wandert bzw. von dort zurückkommt. Nach dem Rückzug der Osmanen 1918 wurde im Lazarett zunächst eine Koranschule eingerichtet, dann eine Grundschule. Heute gehört das Gebäude dem Erziehungsministerium. Das Gebäude ist aber stark angegriffen, und wenn nicht bald Restaurierungsarbeiten durchgeführt werden, ist der Verfall nicht mehr aufzuhalten.




Der alte, heute nicht mehr benutzte Souk 



Der Platz vor dem Lazarett wird „Gate of the Shrine“ (Bab Al-Guba) genannt, wo die ismailitischen Pilgertouren nach Hutayb ihren Ausgangspunkt nehmen. Wenn man von dort wenige Schritte nach Norden geht, gelangt man über ein paar nach unten führende Stufen in den Suq. Der alte Suq mit seinen oft winzigen Geschäften ist unbedingt sehenswert, wenngleich die meisten Läden geschlossen sind und der Müll in den engen Gassen noch höher liegt als sonst wo. Noch heute wird hier nach Kaffeemarkt, Salzmarkt usw. unterschieden, wenngleich diese Namen allenfalls historisch erklärt werden können. Die Läden dienen meist nur noch als Abstellkammer oder als Stallungen für Ziegen und Schafe. Im südlichen Teil des Suqs befand sich früher auch das Judenviertel von Manakha, das also hier im Gegensatz zu vielen anderen Orten nicht außerhalb der eigentlichen Siedlung lag.

Es gibt in der Stadt etwa zehn Moscheen. Die meisten sind klein und unauffällig. Die Große Moschee neben dem Regierungsgebäude wurde mehrmals renoviert und erweitert. Von Außen ist sie wenig beeindruckend. Die zweitgrößte Moschee stellt die Barmherzigkeitsmoschee (Masjid al Rahma) dar, die in Richtung Hutayb liegt. Erwähnenswert ist auch die Al-Nasr-Moschee, eine ganz kleine Moschee am Osthang unterhalb des osmanischen Getreidespeichers. Sie soll schon mehrere hundert Jahre alt sein, und ihr Gründer auf dem Jabal Shibam begraben sein. Bohra-Pilger sind zu dieser Moschee früher offenbar zum Beten gekommen, nicht mehr aber in den letzten Jahren.

Oberhalb der Stadt, auf dem nördlichen Berggipfel Jabal al Khader, liegt Husn Bayh, eine Befestigungsanlage aus osmanischer Zeit. Da sie aber auch heute noch militärisch genutzt wird, ist eine Besichtigung nicht möglich (auch Fotografierverbot!). In Upper Manakha befindet sich eine riesige Zisterne, die kurz nach dem Ende der osmanischen Herrschaft gebaut wurde. Später wurde sie mit deutscher Unterstützung renoviert und erweitert.